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Das Haus in der Luhestraße 19
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Bautagebuch
Juli 2026
Die Maurer waren da
Ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Sanierung unseres kleinen Hauses ist geschafft: Die Maurer haben die Gefache, also die Felder zwischen den Holzbalken des Fachwerks, verformungsgetreu ausgemauert.
Dabei galt auch hier der wichtige Grundsatz unserer Restaurierung, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten. Deshalb wurden nur die Bereiche neu ausgemauert, bei denen es wirklich erforderlich war. Erhaltene Mauerwerksflächen blieben bestehen.
Auch bei den Ergänzungen wurde sorgfältig auf die historische Bauweise geachtet. Wo die Ziegel ursprünglich aufrecht vermauert waren, wurden sie wieder aufrecht eingesetzt. So bleiben nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch die handwerklichen Besonderheiten des Hauses erhalten.
Ausgeführt wurden die Arbeiten von der Winsener Firma Ruschmeyer, die die Mauerarbeiten fachgerecht ausgeführt hat – das Ergebnis kann sich sehen lassen.
Alte Steine neu gemauert: Die Gefache unseres kleinen Hauses sind wieder verschlossen.
Ein Blick in das Innere
Wir informieren an dieser Stelle zwar vorwiegend über die Baufortschritte und Besonderheiten unseres spannenden Bauprojekts, bieten aber auch eine Möglichkeit an, bei der noch mehr Informationen vermittelt werden: Bei einer exklusiven Baustellenführung können Sie mit einer kleinen Gruppe einen Blick in das Haus werfen und erhalten weiterführende Informationen über neue Erkenntnisse, spannende Details oder Hintergründe zum Haus. Sie erfahren, inwiefern das „Tiny House“ eigentlich gar keine so neue Idee ist oder warum das kleine Haus in der Luhestraße 19 aufgrund seiner außergewöhnlichen Geschichte und Besonderheiten unbedingt bewahrt werden sollte.
Informationen zu den Führungen erhalten Sie im Museum bei Tammo Hinrichs unter 04171 669753 oder per E-Mail an luhestrasse@museum-im-marstall.de. Die exklusiven Führungen sind nach Absprache an allen Wochentagen möglich und kosten 60,- €. Bitte beachten Sie, dass der Zugang baustellenbedingt nicht barrierefrei ist und maximal 8 Personen dabei sein können. Der Baustelle angepasste Kleidung wird empfohlen.
Nur für Sie geöffnet: Eine Führung informiert über spannende Hintergründe und neue Erkenntnisse.
Das hat Format!
Betrachtet man die Wände unseres kleinen Hauses mal genauer, fällt auf, dass die Backsteine ganz unterschiedliche Formate haben. Manche sind länger, andere breiter oder höher. Zum einen ist dies ein Zeichen für die sehr differenzierte Baugeschichte des Hauses, zum anderen gab es früher kaum einheitliche Maße.
Früher wurden Backsteine möglichst vor Ort oder zumindest in der näheren Umgebung hergestellt. Je nach Region oder Ziegelei kamen unterschiedliche Formate zum Einsatz. Im Mittelalter wurden häufig die im Vergleich zu den heutigen Steinen deutlich größeren Klosterformate verwendet. Mit der Industrialisierung und der Möglichkeit, Baumaterial mit der Eisenbahn schnell und günstig auch über größere Entfernungen zu transportieren, entstand der Wunsch nach einheitlichen Maßen. Mit dem 1872 eingeführten Reichsformat von 25 × 12 × 6,5 cm setzte sich schließlich ein erster Standard durch. Das heute gebräuchliche Normalformat (24 × 11,5 × 7,1 cm) wurde erst deutlich später eingeführt und ist bis heute die Grundlage der meisten Mauerziegel, die – auch in Norddeutschland – aus Kostengründen meist nur der Verblendung dienen.
In der Luhestraße 19 erzählen die unterschiedlichen Backsteinformate ein weiteres Stück der spannenden Baugeschichte. In den nächsten Wochen beginnt der Maurer mit der Wiederherstellung der Gefache. Dabei werden die vorhandenen Backsteine wiederverwendet und erneut vermauert, somit ein weiterer Schritt bei der behutsamen Sanierung unseres kleinen Hauses.
Die unterschiedlichen Formate erzählen von der wechselvollen Baugeschichte der Luhestraße 19.
Juni 2026
Unsere Förderer und Partner zu Besuch
Bei einem Pressetermin am 8. Juni informierten wir unsere Projektförderer sowie die Presse über den aktuellen Stand unseres Projekts in der Luhestraße 19. Die bisherigen Untersuchungen sind weitgehend abgeschlossen und die ersten Schritte zur Renovierung des Gebäudes durch Zimmermann und Maurer haben begonnen. In einer spannenden Kurzführung brachte der Vorsitzende des Heimat- und Museumsvereins Prof. Dr. Rolf Wiese die Teilnehmenden auf den neuesten Stand und berichtete über die Erkenntnisse, die die bisherige Erforschung des Hauses gebracht hat. Bei Schnittchen sowie kalten und heißen Getränken bestand anschließend Gelegenheit zum Austausch über das Projekt und die bisherigen Ergebnisse.
Der Ankauf des kleinen Hauses in der Luhestraße wäre ohne die Unterstützung der Stadt Winsen nicht möglich gewesen. Auch die Herrichtung zu einer Außenstelle des Museums im Marstall kann nur dank der großzügigen Förderung unserer oben genannten Projektgeber verwirklicht werden.
Prof. Dr. Rolf Wiese, Erster Vorsitzender des Heimat- und Museumsvereins, erläutert den sehr interessierten Förderern und Partnern sowie Pressevertretern erste Erkenntnisse über das Haus Luhestraße 19.
Mai 2026
Jetzt geht’s um die Substanz
Nach den spannenden bauhistorischen Untersuchungen und den nicht minder spannenden Aufräumaktionen wurde nun begonnen, das Haus grundlegend zu sanieren. Seit Ende April ist der Zimmermann im Haus, um das Fachwerkgefüge zu sanieren und damit das Haus zu stabilisieren.
Die sogenannte Schwelle ist im Fachwerkbau einer der sensibelsten Bereiche des Hauses: Da sie sich im unteren Bereich des Fachwerks befindet, ist sie oft von Feuchtigkeit betroffen und somit anfällig, zu verfallen. Steht ein Haus leer und erfolgt die notwendige Instandhaltung nur am Rande, besteht verstärkt die Gefahr, dass die Schwelle Schaden nimmt. Außerdem erhöht sich oft im Laufe der Zeit – wie das auch bei unserem kleinen Haus der Fall ist – das umliegende Bodenniveau, so dass die Schwelle von Erdreich umgeben ist und erst recht Feuchtigkeit ausgesetzt wird.
Bei einer unserer Aufräumaktionen erfolgte die Freilegung der Schwelle, so dass der Zimmermann nun die alte Schwelle ausbauen und anschließend eine neue einbauen konnte. Dabei müssen die Wände so abgestützt werden, dass das Fachwerkgefüge keinen Schaden nimmt und das Haus stabil bleibt. Das Museum im Marstall arbeitet hier mit Tassilo Turner zusammen, der in Norddeutschland einer der besten Fachleute dafür ist, alte Fachwerkhäuser zu sanieren und so behutsam zu arbeiten, dass möglichst viel von der Originalsubstanz erhalten wird.
Die neue Schwelle wurde inzwischen eingebaut und kann nun mit einem neuen Fundament versehen werden, das von einem örtlichen Maurerbetrieb übernommen wird. Davon werden wir hier natürlich ebenfalls berichten.
Die hier rot markierte Schwelle bildet den unteren Abschluss des Fachwerks und zählt zu den besonders sensiblen Bereichen im Fachwerk. Bild: Verändert nach https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fachwerk-Wandgef%C3%BCge.svg.
Eine neue Schwelle ist eingebaut. Auch Teile der alten Schwelle und des gemauerten Fundaments sind sichtbar.
April 2026
Ein Stück Papier?
Im 18. Jahrhundert trat die Papiertapete endgültig ihren Siegeszug durch Europa an und erreichte um 1800 mit handgedruckten Ausfertigungen einen ersten Höhepunkt. Mit der Einführung von Walzendruck und Endlospapier in den 1830er Jahren wurde ihre Herstellung zunehmend mechanisiert. Auch in unserem kleinen Haus in der Luhestraße haben sich Spuren dieser Entwicklung erhalten.
Im Rahmen einer weiteren Aktion im „kleinsten Haus Winsens“ legten Mitarbeitende des Museums unter fachlicher Begleitung der Restauratorin Stefanie Nagel in der Stube Einbauwände aus den 1960er Jahren frei. Darunter kamen mehrere Tapetenschichten aus unterschiedlichen Epochen zum Vorschein.
Besonders bemerkenswert sind Reste einer Tapete aus den 1830er Jahren, deren Gestaltung bis heute fasziniert. Darüber hinaus fanden sich an mehreren Stellen Tapeten aus den 1870er Jahren, deren Farbigkeit auch nach rund 150 Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren hat.
So zeigt sich im Haus Luhestraße 19 einmal mehr ein eindrucksvolles Zeugnis unserer vergangenen Wohnkultur und verdeutlicht, wie wichtig der Erhalt dieses Hauses für die Innenstadt Winsens ist.
Einen spannenden Artikel zur Kulturgeschichte der Tapete finden Sie im Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Hinter der Einbauwand kommen historische Tapeten zum Vorschein. Stefanie Nagel erläutert erste Erkenntnisse.
März 2026
Aufräumaktion in der Luhestraße
Seit mehreren Jahrzehnten ist das Haus Luhestraße 19 nicht mehr bewohnt. In dieser Zeit hat sich vieles angesammelt. Damit die Arbeiten an der neuen Außenstelle des Museums im Marstall weiter vorangehen können, musste zunächst gründlich aufgeräumt werden.
Bei einer gemeinsamen Aktion mit motivierten Ehrenamtlichen des Museums wurde am 14. März kräftig angepackt: Schutt wurde aus dem Gebäude getragen, verrottete Fußböden entfernt und das kleine Gartengrundstück am Haus gesäubert. Dabei wurden auch manche erhaltenswerte Baubestandteile und Objekte gefunden, die dokumentiert wurden und vielleicht für die spätere Gestaltung als Museum genutzt werden können.
Wir sind ein großes Stück vorangekommen. Nun kann der Zimmermann mit den ersten fachgerechten Maßnahmen beginnen, bevor anschließend weitere Gewerke folgen.
Besonders schön war das große Engagement unserer Ehrenamtlichen, die mit guter Stimmung, viel Einsatz und großem Interesse die Arbeiten erledigten. Vielen Dank!
Neue Erkenntnisse über unser kleines Haus
Vor der Herrichtung und Renovierung eines historischen Gebäudes stehen zunächst umfassende Untersuchungen an: Bauforscher Dr. Bernd Adam, mit dem das Museum im Marstall schon häufiger zusammengearbeitet hat, nahm das kleine Haus in der Luhestraße 19 genauer in den Blick – und schon jetzt zeichnen sich spannende neue Erkenntnisse ab, die ein anderes Licht auf die Geschichte des Hauses werfen. So viel sei bereits verraten: Die bauhistorischen und dendrochronologischen Untersuchungen zeigen, dass das Haus deutlich älter ist als bislang angenommen. Viele Hinweise im Fachwerkgefüge geben zudem weitere spannende Einblicke in die Baugeschichte des Hauses.
Weitere Untersuchungen fanden im Innenraum durch die Restauratorin Stefanie Nagel statt, die verschiedene Farbschichten an den Wänden analysierte und unterschiedliche Tapetenreste freilegen konnte. Dabei weisen aufwendig gestaltete Tapeten darauf hin, dass die bisherige Einordnung als kleinbürgerliches Wohnhaus möglicherweise überdacht werden muss.
Bauforscher Dr. Bernd Adam erläutert Ergebnisse seiner Untersuchungen.
Dezember 2025
Die Zusagen aller Förderer sind da und damit ist ein wichtiger Punkt erreicht, um mit den ersten Arbeiten an unserem kleinen Haus in der Luhestraße 19 zu beginnen.
Bevor hier in naher Zukunft Einblicke in das Leben einer Familie um 1920 in einer modern gestalteten Ausstellung mit spannenden Methoden und vielfältigen Medien gegeben werden, stehen noch umfangreiche Arbeiten an. Diese sind notwendig, um die in großen Teilen noch erhaltenen Originalbefunde und die Bausubstanz zu sichern, das historisch bedeutsame Haus behutsam zu sanieren und letztendlich die Ausstellung zu gestalten.
Als erste Maßnahme haben die Stadtwerke Winsen nun Baustrom gelegt. Dadurch wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die beteiligten Handwerker ihre Arbeit aufnehmen können.
Energie für den Start: Der Baustrom ist da, die Arbeiten können beginnen.
Außerdem hat der Zimmermann mit den ersten konkreten Arbeiten begonnen: In der hinteren Ecke des Hauses wurden mehrere Balken fachgerecht ausgetauscht, um die Standsicherheit des Gebäudes dauerhaft zu gewährleisten. Diese Arbeiten sind ein wichtiger Schritt, um das Haus zu erhalten und als Museum nutzen zu können.
Dezember 2024
Hinter den Kulissen des Museums im Marstall werden fleißig Förderanträge bezüglich der Restaurierung des Hauses Luhestraße 19 erarbeitet. Dazu sind die verschiedensten Handwerker vor Ort gewesen, um Angebote für die einzelnen Gewerke zu erarbeiten und abzugeben. Dabei ist viel Abstimmungsbedarf nötig. Auch werden die ersten Ideen gewälzt, wie die Geschichte dieses außergewöhnlichen Hauses und seiner Bewohnerfamilien später ausgestellt und vermittelt werden kann. Das Haus ist nicht nur ein Baustein der Winsener Geschichte, sondern auch ein Beispiel für den beginnenden Umbruch im städtischen Leben, der um 1800 einsetzte. Dabei ist es im besonderen Maße auch ein Beispiel für die Bebauung der Luheinsel, die sich aus Handwerker- und Gewerbebetrieben zusammensetzte.
In einem der nächsten Schritte wird im nächsten Jahr ein spezialisierter Gebäude- und Archivforscher die Geschichte im Detail erforschen. Auf die Ergebnisse sind wir sehr gespannt.
Luhestrasse 19
Auf der Luheinsel, im Volksmund auch “Lütt Korsika” genannt, lebten und arbeiteten in den vergangenen Jahrhunderten eine Vielzahl an Handwerkern. Auch in der Luhestrasse 19 lebte um 1820 eine Handwerkerfamilie. Bewohnt war es bis vor etwa 50 Jahren.
Der Ursprung des Gebäudes reicht aber bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. 1647 wurde das Gebäude erbaut und als Nebengebäude oder Stall genutzt.
In 2023 erwarb der Heimat- und Museumsverein das Gebäude, um dieses Denkmal für die Zukunft zu erhalten.