Das Haus in der Luhestraße 19

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Bautagebuch

Mai 2026

Jetzt geht’s um die Substanz

Nach den spannenden bauhistorischen Untersuchungen und den nicht minder spannenden Aufräumaktionen wurde nun begonnen, das Haus grundlegend zu sanieren. Seit Ende April ist der Zimmermann im Haus, um das Fachwerkgefüge zu sanieren und damit das Haus zu stabilisieren.

Die sogenannte Schwelle ist im Fachwerkbau einer der sensibelsten Bereiche des Hauses: Da sie sich im unteren Bereich des Fachwerks befindet, ist sie oft von Feuchtigkeit betroffen und somit anfällig, zu verfallen. Steht ein Haus leer und erfolgt die notwendige Instandhaltung nur am Rande, besteht verstärkt die Gefahr, dass die Schwelle Schaden nimmt. Außerdem erhöht sich oft im Laufe der Zeit – wie das auch bei unserem kleinen Haus der Fall ist – das umliegende Bodenniveau, so dass die Schwelle von Erdreich umgeben ist und erst recht Feuchtigkeit ausgesetzt wird.

Bei einer unserer Aufräumaktionen erfolgte die Freilegung der Schwelle, so dass der Zimmermann nun die alte Schwelle ausbauen und anschließend eine neue einbauen konnte. Dabei müssen die Wände so abgestützt werden, dass das Fachwerkgefüge keinen Schaden nimmt und das Haus stabil bleibt. Das Museum im Marstall arbeitet hier mit Tassilo Turner zusammen, der in Norddeutschland einer der besten Fachleute dafür ist, alte Fachwerkhäuser zu sanieren und so behutsam zu arbeiten, dass möglichst viel von der Originalsubstanz erhalten wird.

Die neue Schwelle wurde inzwischen eingebaut und kann nun mit einem neuen Fundament versehen werden, das von einem örtlichen Maurerbetrieb übernommen wird. Davon werden wir hier natürlich ebenfalls berichten.

 

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Die hier rot markierte Schwelle bildet den unteren Abschluss des Fachwerks und zählt zu den besonders sensiblen Bereichen im Fachwerk. Bild: Verändert nach https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Fachwerk-Wandgef%C3%BCge.svg.

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Eine neue Schwelle ist eingebaut. Auch Teile der alten Schwelle und des gemauerten Fundaments sind sichtbar.


 

 

April 2026

Ein Stück Papier?

Im 18. Jahrhundert trat die Papiertapete endgültig ihren Siegeszug durch Europa an und erreichte um 1800 mit handgedruckten Ausfertigungen einen ersten Höhepunkt. Mit der Einführung von Walzendruck und Endlospapier in den 1830er Jahren wurde ihre Herstellung zunehmend mechanisiert. Auch in unserem kleinen Haus in der Luhestraße haben sich Spuren dieser Entwicklung erhalten.

Im Rahmen einer weiteren Aktion im „kleinsten Haus Winsens“ legten Mitarbeitende des Museums unter fachlicher Begleitung der Restauratorin Stefanie Nagel in der Stube Einbauwände aus den 1960er Jahren frei. Darunter kamen mehrere Tapetenschichten aus unterschiedlichen Epochen zum Vorschein.

Besonders bemerkenswert sind Reste einer Tapete aus den 1830er Jahren, deren Gestaltung bis heute fasziniert. Darüber hinaus fanden sich an mehreren Stellen Tapeten aus den 1870er Jahren, deren Farbigkeit auch nach rund 150 Jahren nichts von ihrer Wirkung verloren hat.

So zeigt sich im Haus Luhestraße 19 einmal mehr ein eindrucksvolles Zeugnis unserer vergangenen Wohnkultur und verdeutlicht, wie wichtig der Erhalt dieses Hauses für die Innenstadt Winsens ist.

Einen spannenden Artikel zur Kulturgeschichte der Tapete finden Sie im Magazin Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

 

Hinter der Einbauwand kommen historische Tapeten zum Vorschein. Stefanie Nagel erläutert erste Erkenntnisse.


 

März 2026

Aufräumaktion in der Luhestraße

Seit mehreren Jahrzehnten ist das Haus Luhestraße 19 nicht mehr bewohnt. In dieser Zeit hat sich vieles angesammelt. Damit die Arbeiten an der neuen Außenstelle des Museums im Marstall weiter vorangehen können, musste zunächst gründlich aufgeräumt werden.

Bei einer gemeinsamen Aktion mit motivierten Ehrenamtlichen des Museums wurde am 14. März kräftig angepackt: Schutt wurde aus dem Gebäude getragen, verrottete Fußböden entfernt und das kleine Gartengrundstück am Haus gesäubert. Dabei wurden auch manche erhaltenswerte Baubestandteile und Objekte gefunden, die dokumentiert wurden und vielleicht für die spätere Gestaltung als Museum genutzt werden können.

Wir sind ein großes Stück vorangekommen. Nun kann der Zimmermann mit den ersten fachgerechten Maßnahmen beginnen, bevor anschließend weitere Gewerke folgen.

Besonders schön war das große Engagement unserer Ehrenamtlichen, die mit guter Stimmung, viel Einsatz und großem Interesse die Arbeiten erledigten. Vielen Dank!

Neue Erkenntnisse über unser kleines Haus

Vor der Herrichtung und Renovierung eines historischen Gebäudes stehen zunächst umfassende Untersuchungen an: Bauforscher Dr. Bernd Adam, mit dem das Museum im Marstall schon häufiger zusammengearbeitet hat, nahm das kleine Haus in der Luhestraße 19 genauer in den Blick – und schon jetzt zeichnen sich spannende neue Erkenntnisse ab, die ein anderes Licht auf die Geschichte des Hauses werfen. So viel sei bereits verraten: Die bauhistorischen und dendrochronologischen Untersuchungen zeigen, dass das Haus deutlich älter ist als bislang angenommen. Viele Hinweise im Fachwerkgefüge geben zudem weitere spannende Einblicke in die Baugeschichte des Hauses.

Weitere Untersuchungen fanden im Innenraum durch die Restauratorin Stefanie Nagel statt, die verschiedene Farbschichten an den Wänden analysierte und unterschiedliche Tapetenreste freilegen konnte. Dabei weisen aufwendig gestaltete Tapeten darauf hin, dass die bisherige Einordnung als kleinbürgerliches Wohnhaus möglicherweise überdacht werden muss.

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Bauforscher Dr. Bernd Adam erläutert Ergebnisse seiner Untersuchungen.


 

Dezember 2025

Die Zusagen aller Förderer sind da und damit ist ein wichtiger Punkt erreicht, um mit den ersten Arbeiten an unserem kleinen Haus in der Luhestraße 19 zu beginnen.

Bevor hier in naher Zukunft Einblicke in das Leben einer Familie um 1920 in einer modern gestalteten Ausstellung mit spannenden Methoden und vielfältigen Medien gegeben werden, stehen noch umfangreiche Arbeiten an. Diese sind notwendig, um die in großen Teilen noch erhaltenen Originalbefunde und die Bausubstanz zu sichern, das historisch bedeutsame Haus behutsam zu sanieren und letztendlich die Ausstellung zu gestalten. 

Als erste Maßnahme haben die Stadtwerke Winsen nun Baustrom gelegt. Dadurch wurden die Voraussetzungen geschaffen, dass die beteiligten Handwerker ihre Arbeit aufnehmen können. 

Energie für den Start: Der Baustrom ist da, die Arbeiten können beginnen. 

Außerdem hat der Zimmermann mit den ersten konkreten Arbeiten begonnen: In der hinteren Ecke des Hauses wurden mehrere Balken fachgerecht ausgetauscht, um die Standsicherheit des Gebäudes dauerhaft zu gewährleisten. Diese Arbeiten sind ein wichtiger Schritt, um das Haus zu erhalten und als Museum nutzen zu können.

Dezember 2024

Hinter den Kulissen des Museums im Marstall werden fleißig Förderanträge bezüglich der Restaurierung des Hauses Luhestraße 19 erarbeitet. Dazu sind die verschiedensten Handwerker vor Ort gewesen, um Angebote für die einzelnen Gewerke zu erarbeiten und abzugeben. Dabei ist viel Abstimmungsbedarf nötig. Auch werden die ersten Ideen gewälzt, wie die Geschichte dieses außergewöhnlichen Hauses und seiner Bewohnerfamilien später ausgestellt und vermittelt werden kann. Das Haus ist nicht nur ein Baustein der Winsener Geschichte, sondern auch ein Beispiel für den beginnenden Umbruch im städtischen Leben, der um 1800 einsetzte. Dabei ist es im besonderen Maße auch ein Beispiel für die Bebauung der Luheinsel, die sich aus Handwerker- und Gewerbebetrieben zusammensetzte.

In einem der nächsten Schritte wird im nächsten Jahr ein spezialisierter Gebäude- und Archivforscher die Geschichte im Detail erforschen. Auf die Ergebnisse sind wir sehr gespannt.

Luhestrasse 19

Auf der Luheinsel, im Volksmund auch “Lütt Korsika” genannt, lebten und arbeiteten in den vergangenen Jahrhunderten eine Vielzahl an Handwerkern. Um 1820 erbaute ein Maurergeselle für sich und seine Familie das kleine Haus in der Luhestraße 19. Bewohnt war es bis vor etwa 40 Jahren. In 2023 erwarb der Heimat- und Museumsverein das Gebäude, um dieses Denkmal für die Zukunft zu erhalten, und das Wohnen der einfachen Leute zu zeigen.

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